Jahrgang 2006/2007

1. Grenzfall als Anachronismus?
Gibraltar in/und/trotz Europa

2. Ohne Papiere, ohne Rechte – Mythos Europa?

3. Der Zirkus und seine imaginierte Tradition
Vergnügung, Nostalgie und der Wandel des Zirkus

4. Ist das niederländische Integrationsmodell gescheitert?
Wandel und Persistenz im niederländischen Integrationsdiskurs

5. Junge Familien in Europa
Sterben die Europäer aus? Von hysterischen Prognosen, politischen Debatten und Kindern, die es trotzdem gibt.

6. Rechte und Realitäten der Roma in Ungarn und Rumänien
Wird die größte Minderheit Europas von den Vorteilen der europäischen Integration ausgeschlossen?

7. Film: neue Perspektiven für Mostar?
Was haben Bruce Lee und die »alte Brücke« von Mostar gemeinsam?

 

1. Grenzfall als Anachronismus?
Gibraltar in/und/trotz Europa

»Gibraltar hört auf britisch zu sein, sobald der letzte Affe verschwunden ist«

Im Schatten eines von Affen besiedelten Felsens spielt sich der letzte Territorialkonflikt der EU ab: Gibraltar, seit 1713 britisch, wird von Spanien beansprucht, gegen den Willen seiner Einwohner. Dabei stand die an der äußersten Peripherie des Kontinents gelegene Halbinsel seit jeher im Zentrum weltpolitischer Entwicklungen.

In deren Trümmern suchen die Bewohner heute nach einer lokal verankerten Identität zwischen »Britishness« und »Hispanisierung«. Angesichts der verfahrenen Situation stellt sich die Frage nach einer politischen Lösung des rechtlich nicht lösbaren Konflikts.

Wie hat die Einbindung in europäische Institutionen den Konflikt verändert? Was sagt der Streit um Gibraltar über die Substanz europäischer »Einigungsrhetorik« aus?

Maximilian Benz, Deutschland
Katarzyna Czarko-Wasiutycz, Polen
Jonas Frister, Deutschland
Anna Peter, Schweiz
Evgueni Preine, Russland
Miruna-Ileana Raceala-Motoc, Rumänien
Benjamin Chr. Seyd, Deutschland

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2. Ohne Papiere, ohne Rechte – Mythos Europa?

Niemand weiß, wie viele Menschen in Europa ohne Papiere leben. Sie sind Teil unseres Alltags, doch keiner nimmt sie wahr. Kein Zugang zu Bildung, keine medizinische Versorgung, keine Rechte, ständige Angst:
Welche Gründe bewegen Menschen dazu, ihre Heimat und Familien zu verlassen, um ein solches Leben auf sich zu nehmen? Mit welchen Hoffnungen kommen sie nach Europa? Erfüllen sich diese oder werden sie enttäuscht? Wir haben versucht, dem »Mythos Europa« dieser MigrantInnen auf die Spur zu kommen. Wir können von unseren Erfahrungen im Migrationsknotenpunkt Süditalien berichten, sowie von unserem Versuch, mit Papierlosen in Berlin Kontakt aufzunehmen.

Nadja Dumouchel, Deutschland
Dorothea Gädeke, Deutschland
Adrienn Kroo, Ungarn
Konstantin Wiegandt, Deutschland

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3. Der Zirkus und seine imaginierte Tradition
Vergnügung, Nostalgie und der Wandel des Zirkus

Auch Sie denken, der Zirkus Ihrer Kindheit sei tot? In unserem Projekt fragen wir nach der Lage des heutigen Zirkuswesens. Wurde der Zirkus wirklich durch andere Unterhaltungsformen verdrängt?
Oder liegt in der Nostalgie gegenüber dem vermeintlich Verschwindenden nicht gerade sein Erfolgspotential? Wir haben die Weiterentwicklung des Zirkus der ehemaligen BRD, DDR und der USSR betrachtet.
Inwiefern haben die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen bei der Neuformierung der Vergnügungspraxis mitgewirkt? Oder war es vielmehr ein Wandel der Publikumswünsche, der Veränderungen der Aufführungspraxis und manchen Misserfolg verursacht hat?

Johannes Burmester, Deutschland
Jiri Cerny, Tschechien
David Eugster, Schweiz
Laura-Corina Miron, Rumänien

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4. Ist das niederländische Integrationsmodell gescheitert?
Wandel und Persistenz im niederländischen Integrationsdiskurs

Am 2. November 2004 wurde der niederländische Filmemacher Theo van Gogh auf offener Straße von einem jungen Niederländer marokkanischer Herkunft ermordet. Dieser Mordanschlag löste eine grundsätzliche Debatte über Freiheit, Toleranz und Gewaltlosigkeit in den Niederlanden aus. Wie haben sich seit diesem Mord der Integrationsbegriff und das Integrationsmodell in den Niederlanden verändert?
Wie sieht die Integrationspolitik in diesem einst so »toleranten« und »liberalen« Einwanderungsland heute aus? Welche neuen Töne erklingen in der Berichterstattung zum Thema Integration?

Das Projekt soll Einblicke in Gespräche mit Vertretern aus Politik, Medien und sozialen Einrichtungen geben.

Sibylle Forrer, Schweiz
Lavinia Lazar, Rumänien
Marta Martínez Martínez, Spanien
Marco Perone, Italien
Hans-Benjamin Steffen, Deutschland
Jenniina Ylönen, Finnland
Maria Zhurbina, Russland

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5. Junge Familien in Europa
Sterben die Europäer aus? Von hysterischen Prognosen, politischen Debatten und Kindern, die es trotzdem gibt.

Die öffentliche Debatte um Familie dreht sich in Deutschland vor allem um sinkende Geburtenraten. Statistik folgt auf Statistik, die belegt, dass in ganz Europa vor allem junge Akademikerinnen ihrer Bürgerpflicht, »Humankapital« zu produzieren, nicht nachkommen.

Von Berlin sind wir nach Kopenhagen und Warschau gereist, um aus neuen Perspektiven heraus diese normative Diskussion zu hinterfragen:
Wie wird Familie in verschiedenen Teilen Europas dargestellt, wahrgenommen und gelebt? Und was haben junge Familien selbst zu berichten?

Elena-Victoria Lefevre Georgescu, Deutschland
Wiktoria Grzelakowska, Polen
Grzegorz Nocko, Polen
Anne Rocholl, Deutschland

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6. Rechte und Realitäten der Roma in Ungarn und Rumänien
Wird die größte Minderheit Europas von den Vorteilen der europäischen Integration ausgeschlossen?

Wir wollen Sie mitnehmen auf unsere Reise von Budapest nach Siebenbürgen, um unsere Einblicke in das Leben und die Kultur der dortigen Roma mit Ihnen zu teilen. Von Momentaufnahmen ausgehend versuchen wir, Formen von Diskriminierung gegenüber Roma und Strategien zu ihrer Überwindung aufzuzeigen.

Wissen Sie, wie Roma den Alltag in Schulen und Krankenhäusern erleben, wie sich Infrastruktur und Siedlungspolitik auf Stadtbilder auswirken oder wie Zivilgesellschaft gelebt wird?

Wo besteht Handlungsbedarf, wer trägt Verantwortung und wie kann die Zukunft gestaltet werden?

Antje Heyer, Deutschland
Keve Z. Kovács, Ungarn
Lara Kutschenko, Deutschland
Ekaterina Lichtenstein, Deutschland
Åsa Månsson, Schweden

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7. Film: neue Perspektiven für Mostar?
Was haben Bruce Lee und die »alte Brücke« von Mostar gemeinsam?

Ein Jahrzehnt nach Ende des Bosnienkrieges ist die Stadt Mostar noch immer gespalten. Das Medium Film bietet eine Perspektive, neben der alten Brücke von Mostar auch neue zu bauen: Eine vor kurzem errichtete Bruce-Lee-Statue soll als gemeinsame Identifikationsfigur dienen; eine Jugendorganisation möchte durch Filmvorführungen das zerstörte Kino ersetzen.

Wir möchten die Hintergründe und Schwierigkeiten dieser Initiativen dokumentieren. Auf welche Resonanz stoßen sie? Welche Filme werden von der Bevölkerung geschaut? Ist die auf dem Balkan in den letzten Jahren entstandene Filmszene auch hier schon angekommen, oder dominiert ein sehnsüchtiger Blick nach Westen?

Grace Bolton, Irland
Ivonne Dippmann, Deutschland
Kerstin Germer, Deutschland
Charlotte Grosse Wiesmann, Deutschland
David Link, Deutschland
Sara-Sumie Yang, Deutschland

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